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Jens Spahn wird sowas wie „Vater“…

Aktuelle Seite: Start / Beziehungen / Jens Spahn wird sowas wie „Vater“…
17. Juli 2026 von Sebastian Meichßner

…die CDU unglaubwürdiger und wir hätten zu den neuesten Lach- und Sachgeschichten dann doch noch ein paar Fragen.

Vorab: Die Story müsste klar sein, oder? Jens Spahn ist, nach Hendrick Streeck, innerhalb weniger Monate der zweite CDU Politiker, der per Leihmutterschaft ein Kind aus dem sonst verhassten Trumpland USA bekommt. Spahn’s Mann, Daniel Funke, ist der biologische Vater. Aus den USA haben sie das Kind jetzt abgeholt. Auch die Leihmutter soll künftig im Leben des Kindes eine Rolle spielen. Frag mich, wer bei dem Theater dann der Regisseur ist.

Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, googelt einfach mal „Spahn Vater Leihmutter“ oder so.

Jetzt also auch Menschenhändler?

Reem Alsalem, ihres Zeichens zuständige UN-Berichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Kinder, hat in ihrem Bericht vergangenen Oktober, Leihmutterschaft als eine neue Form des Menschenhandels und der Sklaverei bezeichnet. Ups.

Wir zitieren und übersetzen mal kurz ein paar Sätze aus dem Bericht, in dem Alsalem u.a. dazu aufrief und forderte Leihmutterschaft weltweit abzuschaffen:

„Die Leihmutterschaft reduziert Frauen und Kinder, einschließlich Mädchen, auf bloße Handelsware, beraubt sie ihrer Gleichberechtigung und Würde und begünstigt ihre Ausbeutung und ihren Missbrauch.“1

„Leihmutterschaft ist das Ergebnis der Kommodifizierung und Kommerzialisierung der Fortpflanzungsfähigkeit von Frauen und nutzt Frauen aus, insbesondere solche aus marginalisierten und verarmten Verhältnissen.“2

„Trotz dieser schädlichen Folgen machen sich zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Akteure weiterhin mitschuldig, indem sie die Leihmutterschaft ermöglichen, unter anderem indem sie die damit einhergehenden Missbräuche und Risiken herunterspielen und diese Praxis verharmlosen, was äußerst besorgniserregend ist.“3

Jens Spahn ist jetzt also, nach dem missglückten Maskenhandel, in den Menschenhandel eingestiegen? Ich frag ja nur. Denn wenn ich zwei und zwei zusammenzähle, dann ergibt das…

FÜNF! Danke Winston Smith!4

Der tolle Mensch?

Auf BILD Anfrage, die exklusiv die Nachricht „voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung im Leben von Jens Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke“5 verbreiten durfte, sagte Funke: „Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht.“6 Meint er hier die oben genannten Vorurteile von Reem Alsalem? „Aber“, so Funke weiter, „wie sagte der große Franz Beckenbauer: ‚Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.‘“7 Na wenn’s der Kaiser sagt!!! Wer bin ich da irgendwas dagegen zu haben, wenn schon der große Franz, der mit zitiertem Spruch seinen fruchtbaren Seitensprung verteidigen wollte8, nochmal aus der Grube gezogen wird. Ich setz einfach meine bunte Mütze mit den Glöckchen an den Zipfeln auf und schon passt wieder alles.

[Wenn man schon mit dem Fußball-Kaiser, die in Deutschland illegale Leihmutterschaft ethisch aushebeln will, dann, ähm, frag ich mich welche Berater Spahn und Co. im Bundestag eigentlich sonst noch so haben.]

Spahn soll wohl in der Vergangenheit immer mal wieder mit seinem christlichen Glauben hervor gestochen sein.9 Keine Ahnung. Aber gerade mit der Auktion, sorry, Aktion, erinnert er so ein bisschen an den „tollen Mensch„. Spahn und Funke scheinen vermutlich nur Gesetze zu kennen und Moral als etwas lebensfeindliches, das vitale Triebe hemmt.10 Vermutung. Keine Beweise. Es klingt als gebe es kein übergeordnetes Wertesystem außer dem „Ich will“. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, die UN fodert die weltweite Abschaffung, aber in de USA ist es in manchen Staaten noch erlaubt. „Ich“ bzw. „Wir wollen ein Kind.“ Also wo liegt das Problem? Was erlaubt ist, darf getan werden. Und dabei verbietet sich jegliche Moral. Schließlich hat’s der Kaiser gesagt! Rechtspositivismus11 nennt man das. Davon und von meinen haltlosen Unterstellungen kann man halten, was man will. Ist ja sowieso alles Geschmackssache, stimmts Friedrich?12

Wer dazu mehr Kontext möchte dem empfehlen wir mindestens: „Ist uns Menschen Würde unmöglich?“ und „Wohin führt Egoismus?“ Ansonsten stöbert gern mal durch unseren Blog. Außerdem hat Birgit Kelle ein paar treffsichere Zeilen zum Thema geschrieben.

Bilderquellen: Ernie und Bert Image by Karsten Paulick from Pixabay; Titelbild: https://unsplash.com/de/fotos/zwei-clowns-mit-weisser-gesichtsbemalung-und-roten-luftballons-qEas1jFgZu4?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditShareLink

  1. https://www.ohchr.org/en/press-releases/2025/10/un-expert-calls-recognition-surrogacy-system-violence-exploitation-and-abuse, Übersetzt mit DeepL.com zuletzt aufgerufen am 17.07.2026. ↩︎
  2. ebd. ↩︎
  3. ebd. ↩︎
  4. Siehe „Zwiedenken“ unter https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman), zuletzt aufgerufen am 17.07.2026 ↩︎
  5. https://www.bild.de/unterhaltung/stars-und-leute/cdu-politiker-jens-spahn-und-sein-ehemann-sind-papas-geworden-6a57392b664e99bc41e93660?offerId=O_EO96B9OD9W646YVW80, zuletzt aufgerufen am 17.07.2026 ↩︎
  6. ebd. ↩︎
  7. ebd. ↩︎
  8. Siehe https://www.spiegel.de/panorama/leute/schimpftirade-vor-koenigin-beckenbauers-peinlicher-moment-a-784942.html, zuletzt aufgerufen am 17.07.2026. ↩︎
  9. Siehe https://frauenheldinnen.de/leihmutterschaft/sind-schwule-maenner-gleicher/ zuletzt aufgerufen am 17.07.2026. ↩︎
  10. Siehe https://ethik-heute.org/moral-in-der-kritik/, zuletzt aufgerufen am 17.07.2026. ↩︎
  11. „Eine Beurteilung des Rechts an moralischen Maßstäben verbiete sich in modernen Gesellschaften, weil es keine einheitlichen oder gar homogenen Moralvorstellungen gebe. Verbindlichkeit beziehe das Recht dann aus der Legitimität seines Ursprungs, also regelmäßig aus den demokratischen Verfahren und aus der Garantie von Rechtssicherheit.“ https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/recht-a-z/323925/rechtspositivismus/, zuletzt aufgerufen am 17.07.2026. ↩︎
  12. „Sind es neue Freunde der »Wahrheit«, diese kommenden Philosophen? Wahrscheinlich genug: denn alle Philosophen liebten bisher ihre Wahrheiten. Sicherlich aber werden es keine Dogmatiker sein. Es muß ihnen wider den Stolz gehn, auch wider den Geschmack, wenn ihre Wahrheit gar noch eine Wahrheit für jedermann sein soll: was bisher der geheime Wunsch und Hintersinn aller dogmatischen Bestrebungen war. »Mein Urteil ist mein Urteil: dazu hat nicht leicht auch ein andrer das Recht« – sagt vielleicht solch ein Philosoph der Zukunft. Man muß den schlechten Geschmack von sich abtun, mit vielen übereinstimmen zu wollen. »Gut« ist nicht mehr gut, wenn der Nachbar es in den Mund nimmt. Und wie könnte es gar ein »Gemeingut« geben! Das Wort widerspricht sich selbst: was gemein sein kann, hat immer nur wenig Wert. Zuletzt muß es so stehn, wie es steht und immer stand: die großen Dinge bleiben für die Großen übrig, die Abgründe für die Tiefen, die Zartheiten und Schauder für die Feinen, und, im ganzen und kurzen, alles Seltne für die Seltnen. –“ Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, Nikol Verlag, 3. Auflage 2023, 43., S. 50. Siehe auch http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Jenseits+von+Gut+und+Böse/Zweites+Hauptstück.+Der+freie+Geist/41-44, zuletzt aufgerufen am 17.07.2026. ↩︎
Kategorie: Beziehungen, Familie, Identität, NewsSchlagwörter: Leihmutterschaft, Politik
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