Wusstest du, dass man seit Jahrzehnten hier und da versucht mit gefälschten Zahlen über Illegalität und Todesfällen die Abtreibungsgesetze zu liberalisieren?1 Wusstest du, dass liberale Gesetze die Abbruchszahlen nicht nach unten bringen?2 Wusstest du, dass man bei manchen Äußerungen von sog. Abtreibungsbefürwortern den Eindruck gewinnen könnte, dass es die Hauptsache ist, Schwangerschaftsabbrüche stehen per Gesetz nicht unter Strafe, und dass der Rest scheißegal ist?3
Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa.4 Das Gespenst der „illegalen und unsicheren Schwangerschaftsabbrüche“. Es treibt sich zum Safe Abortion Day am 28.09.2026 wieder auf unseren Straßen, in unseren Medien und Debatten herum. Dass die Methode zieht und der Spuk wirkt hatte in den USA damals Dr. Bernard Nathanson eindrucksvoll bewiesen und später zugegeben.5 Heute gilt angeblich selbst Deutschland auf der Landkarte der „sicheren Abtreibungen“ als Entwicklungsland. Wir haben von allem zu wenig und sind zu weit weg. Kliniken, Ärzten, Nachwuchs, der später mal Abbrüche durchführen will (blöd, dass ein kein geringer Teil davon schon vor paar Jahren abgesaugt wurde). Aber Gespenster vertreibt man ja bekanntlich indem man einfach mal das Licht anmacht und dem Märchen die Wahrheit entgegenstellt. Soweit es also die offiziellen Daten zu lassen6: Spot on.

zuletzt aufgerufen am 24.09.2026.
In Deutschland gab es im Jahr 2024 insgesamt 1.110 Stellen, die die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen an das Statistische Bundesamt gemeldet haben. Das Amt schreibt, dass die „Zahl der Meldestellen […] keine Rückschlüsse auf Arztpraxen beziehungsweise Kliniken mit Abbrüchen zu[lässt].“7 Zum einen können Stellen aufgeführt werden, die in einem Quartal keine Abbrüche durchgeführt haben und zum anderen „melden zentrale ambulante OP-Praxen hier zum Beispiel für mehrere Arztpraxen mit.“8 Denen gegenüber stehen deutschlandweit nur 578 Geburtskliniken. Diese übernehmen 86,5% der möglichen Geburten. Für die anderen 13,5%, die in einem Schwangerschaftsabbruch enden, stehen mindestens 1.110, knapp doppelt soviele, Stellen zur Verfügung. Die Zahlen variieren in den jeweiligen Bundesländern leicht. Eine Klinik verhilft pro Jahr im Durchschnitt 1.171 Babys auf die Welt. Jeweils eine Meldestelle zeichnet sich im Durchschnitt in Deutschland dafür verantwortlich, dass 95,4 Kinder die Welt nie sehen werden. Pro Werktag werden 2.693 Kinder geboren und ca. 421 verlieren ihr Leben durch einen Abbruch. Pro Werktag werden ca. 5 Geburten in einer Klinik und 0,4 Schwangerschaftsabbrüche in einer Meldestelle durchgeführt. Pro Woche sind das ca. 23 Geburten bei ca. 2 Abbrüchen. Da in den Doku’s, die auf Youtube so kursieren immer wieder erwähnt wird wie schnell ein Schwangerschaftsabbruch geht, von ca. 10 Minuten ist die Rede, kann man davon ausgehen, dass das medizinische Personal nicht an Überarbeitung stirbt. Zumindest die nicht, die Abbrüche durchführen. Ansonsten riesen Respekt an alle, die in medizinischen Berufen arbeiten!

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Natürlich sind das rein statistische Berechnungen und mit der Realität schwer zu vergleichen. Eine bestimmte Klinik bzw. Meldestelle könnte im Vergleich mit anderen viel mehr leisten. Hier gibt es sicherlich auch unterschiede zwischen dem ländlichen und städtischen Raum. Aber der Blick auf die reinen Zahlen lohnt dennoch.
Unabhängig von der Art der Leistung, ist es erstaunlich, dass der Ruf des „Versorgungsengpasses“ für die Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, viel lauter, vehementer und aggressiver durch die Politik und Medienlandschaft hallt als der Ruf nach mehr Geburtskliniken. Dabei hat sich die Zahl „der Krankenhäuser mit Entbindungsstationen hierzulande […] seit der deutschen Vereinigung halbiert. Gab es im Jahr 1991 noch 1 186 Krankenhäuser, in denen Kinder entbunden wurden, waren es 2024 noch 578 – ein Rückgang um 51,3 %, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt.“9 Soweit es die Daten erlauben10, lässt sich erkennen, dass die Zahl der Meldestellen vom 3. Quartal 2018 bis zum 2. Quartal 2026 sich lediglich, mit leichten Schwankungen, um 45 Stellen verringert haben. Und dabei sind noch keine Fusionen von MVZ’s, Krankenhäusern und ambulanten Praxen berücksichtigt. Soll heißen, die Stellen könnten sich zwar verringert haben, die Möglichkeiten und Angebote aber nicht. Wenn zum Safe Abortion Day wieder der Schrei nach sicherer und legaler Abtreibung zu hören ist, dann fragt doch mal wie es sich mit dem sicheren Zugang zu, und der Versorgungssicherheit mit, Geburtskliniken verhält.
Fun Fact
Es gibt 1.364 McDonald’s und 760 Burger King Restaurants in Deutschland11,12, der OBI Baumarkt hat über 35013 und Kaufland über 790 Standorte14. Sei ehrlich. Du weisst von allen vier wo der jeweils nächste ist. Bei den 578 Kliniken gilt für die Erreichbarkeit, dass in „Großstädten […] 95,1 % der weiblichen Bevölkerung zwischen 16 und 49 Jahren ein entsprechendes Krankenhaus innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto erreichen [können]. In Mittelstädten trifft dies auf knapp drei Viertel (73,4 %) zu, in größeren Kleinstädten auf weniger als die Hälfte (44,7 %). In kleineren Kleinstädten oder ländlichen Gemeinden sind lediglich knapp ein Drittel (29,9 %) der entsprechenden Altersgruppe binnen 15 Minuten in einer Klinik mit Frauenheilkunde- und/oder Geburtshilfe-Station.“15 Die 1110 Meldestelllen müssten etwas besser erreichbar sein. Dazu gibt es Erkenntnisse aus der sog. ELSA Studie, die nur für 362 der eigentlichen rund 1100 Meldestellen spricht: „Ab einer Entfernung von mehr als 50 km zur Einrichtung wird der Weg als eine Zugangsbarriere bewertet. Die Auswertung ergab, dass etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52,8 %) eine weniger als 10 km entfernte Einrichtung aufsuchte. Rund ein Drittel (32,3 %) gab eine Entfernung zwischen 10 km und 50 km an. Für 10,5 % der Teilnehmerinnen lag die Praxis oder Klinik 50 km bis 100 km von ihrem Wohnort entfernt und 4,5 % mussten eine Strecke von über 100 km zurücklegen, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen.“16 „Demnach haben mit 80,1 % eine deutliche Mehrheit der Teilnehmerinnen keine oder keine größeren Schwierigkeiten wahrgenommen, um eine geeignete Einrichtung für einen Schwangerschaftsabbruch zu finden.“17 Außerdem kann es bei der Erreichbarkeit von Geburtskliniken mitunter um lebenswichtige Minuten gehen. Während ein Schwangerschaftsabbruch dem nicht vergleichbar ist. Wir wollen hier keinem Unrecht tun. Lassen wir uns doch nicht von Gespenstern treiben!
§218 StGB muss weeeeg!
Reine Statisterei löst das emotionale und vor allem individuelle Problem nicht. Die Krux ist demnach eine andere. Aber eine bloße Abschaffung des §218 StGB auch nicht. Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland sicher. Aber nur für die Frau. Nur, und das ist der Dorn im Auge, legal sind sie nicht. Das gilt aber für alle. Wiederum bleiben Abbrüche unter bestimmten Voraussetzungen straffrei.
Ein paar Punkte zum Nachdenken: Mit dem §218 würde die Beratungsregelung wegfallen. Von manchen als Pflichtberatung gegeiselt, hat sie doch schon vielen Kindern unscheinbar das Leben gerettet.18 Wer sie ernst nimmt, Berater wie Beratung-Suchende, können davon enorm profitieren. Ansonsten bleibt es eine Schein-Lösung. Mit dem Wegfall des §218 würde außerdem die Gewissensfreiheit der Ärzte gestrichen. Schwangerschaftsabbrüche würden zu einer normalen medizinischen Dienstleistung „nicht anders als Gebärmutterhals-Screening, Verhütung und Mutterschaftsvorsorge.“19 So sieht es die International Planned Parenthood Federation, der Dachverband unter dem sich auch Pro Familie befindet. Der ungewollt Schwangeren würde die ihr staatlich verliehene Autorität fehlen sich gegen den sie zum Abbruch drängenden Partner, dem Vater, zu wehren.20 Und dem Geschädigten, nicht mehr lebenden kleinen Menschen, würde auch noch die letzte Hoffnung auf ein Lebensrecht entzogen werden.
Quellen: https://unsplash.com/de/fotos/ein-mann-steht-auf-einem-grasbedeckten-feld-kZrSjwszEj4, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026.
- https://youngandfree-kaleb.de/1-000-000-illegale-abtreibungen-jaehrlich/, https://youngandfree-kaleb.de/sterben-an-illegaler-abtreibung/, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://youngandfree-kaleb.de/zusammenhang-zwischen-gesetzlicher-abtreibungsregelung-und-abtreibungszahlen/, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://youngandfree-kaleb.de/unsichere-abtreibung/, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- Siehe u.a. hier https://youngandfree-kaleb.de/drohkulisse-c2a7218/, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://youngandfree-kaleb.de/1-000-000-illegale-abtreibungen-jaehrlich/, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- Die aktuellsten Zahlen der Entbindungskliniken lagen uns nur für 2024 vor (siehe https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_N018_231.html). Deswegen vergleichen wir die Kliniken mit den Meldestellen für 2024. ↩︎
- https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Schwangerschaftsabbrueche/Tabellen/meldestellen-2024.html, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- ebd. ↩︎
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_N018_231.html, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- siehe https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Schwangerschaftsabbrueche/_inhalt.html#592358, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://www.bundesverband-systemgastronomie.de/mitgliedschaft/mitglieder/mcdonald-s.html, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://lexpress-franchise.com/de/aktuelles/burger-king-deutschland-setzt-zum-50-jubilaeum-auf-weiteres-wachstum/, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://www.obi.de/corporate, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://unternehmen.kaufland.de/ueber-kaufland/wir-fuer-sie.html, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_N018_231.html, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- Zugangsbarrieren zur Schwangerschaftsabbruchversorgung: Eine Analyse aus der Perspektive ungewollt Schwangerer – Erkenntnisse aus der Studie „Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer. Angebote der Beratung und Versorgung (ELSA)“ https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-024-03987-2, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen: Weitgehende Erreichbarkeit gegeben, https://www.dggg.de/presse/pressemitteilungen-und-nachrichten/versorgungslage-bei-schwangerschaftsabbruechen-weitgehende-erreichbarkeit-in-deutschland-gegeben, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- Siehe https://dejure.org/gesetze/StGB/219.html, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- https://europe.ippf.org/resource/ippf-en-partner-survey-abortion-legislation-and-its-implementation-europe-and-central-asia, https://youngandfree-kaleb.de/und-im-hintergund-spielt-die-ippf/, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎
- siehe https://youngandfree-kaleb.de/ist-der-c2a7218-eine-sog-autoritaetsethik/#footnote4 und 5, zuletzt aufgerufen am 24.09.2026. ↩︎







Marsch für das Leben 2026 – Einblicke
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